Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließ man sich auch in Bayern von der Kolonialeuphorie anstecken und entwickelte mannigfache Aktivitäten auf lokaler und regionaler Ebene. Man gründete Ortsgruppen der Deutschen Kolonialgesellschaft, organisierte Kolonialschauen, veranstaltete Heimatabende, deren Erlöse an die »Schutztruppensoldaten« gingen, plante eine Kolonialausstellung in München sowie ein Kolonial- und Donauhandelsmuseum in Regensburg. Markus Seemann eröffnet mit dieser ersten umfassenden Regionalstudie zum Kolonialismus neue Perspektiven auf das Verhältnis von »Kolonie« und »Heimat«, benennt die Protagonisten und die konkreten Kolonialprojekte und zeigt, wie der heimische Raum eine neue Deutung im kolonialistischen Sinne erfuhr.
Markus Seemann: Jahrgang 1980; Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Bayerischen und Schwäbischen Landesgeschichte sowie Kommunikationswissenschaft in Augsburg; 2010 Promotion. Derzeit Archivreferendar am Hauptstaatsarchiv Dresden und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Augsburg; Forschungspreis der Universität Augsburg 2010...